Ramsch aus dem Modem #44
Ramsch aus dem Modem #44
Kaum liegen ein paar Tage mehr als üblich zwischen den Aufnahmen, eskaliert das Ganze ein wenig. Für Dich bedeutet das: eine Folge mit vielen spannenden Themen und ein noch vollerer Newsletter. Wir hoffen, der Inhalt gefällt Dir.
Wie immer freuen wir uns, wenn wir Dich im Discord treffen oder Dein Feedback auf Mastodon lesen. Und wenn Du einen Tipp für den Podcast oder den Newsletter hast, schreib uns einfach direkt.
🎙️ RfR108 - Die QUERY Boys
Diesmal melden wir uns aus ganz unterschiedlichen Lebenslagen: Sandra vertieft sich gerade in Infrastructure as Code und büffelt nebenbei Python, während Daniel in der Elternzeit ein neues Hobby für sich entdeckt hat: RGB-Modding unter Linux. Im Ramsch geht es um den Wechsel von TUXEDO OS von Ubuntu zu Debian, neue Limits bei Maven Central und einen Markdown-Editor für Tech-Writer. In Aiaiaiaiai regt sich Daniel über ein Datenleck durch GitHub Copilot auf, und wir schauen nochmal auf die hitzige Debatte rund um den Bun-Rewrite in Rust. Das große Thema der Folge, das auch den Titel der Ausgabe liefert, ist aber ein waschechtes Überraschungs-RFC: die neue HTTP-Methode QUERY.
🛜 Ramsch aus dem Modem
🚥 RGB-Modding auch unter Linux
In vielen Fällen ist es so, dass Hersteller von RGB-Zubehör für die Ansteuerung eigene Software mitbringen, die nicht unter Linux läuft. Mit openRGB lässt sich dieses Problem lösen.
🐧 TUXEDO OS wechselt auf Debian
Tuxedo hat angekündigt, die Basis ihrer Distro TUXEDO OS von Ubuntu LTS auf Debian Testing umzustellen (Eine neue Grundlage für TUXEDO OS: Umstieg auf Debian). Grund dafür: Aktuelle Software lässt sich auf Ubuntu-Basis immer schwerer backporten, außerdem setzt Canonical verstärkt auf Snap-Pakete, was Tuxedo ablehnt. In der Presse (TUXEDO OS wechselt auf Debian Testing und beantwortet die Sicherheitsfrage) gab es Sicherheitsbedenken. Tuxedo hat dann ein Sicherheitskonzept vorgestellt (Sicherheit unter TUXEDO OS: Wie wir Debian Testing absichern, TUXEDO stellt Sicherheitskonzept für TUXEDO OS vor). Auch an die User, die auf Ubuntu bleiben wollen, ist gedacht: Wie es mit TUXEDO OS, Ubuntu und Kubuntu weitergeht
⛔ Limit bei Maven Central
Sonatype führt monatliche Publishing Limits bei Maven Central ein, orientiert am 90. Perzentil aller Publisher: konkret etwa 1.167 Dateien, 78 MB oder 7 Releases pro Monat. Bis Oktober 2026 gibt es erstmal nur Warnungen, danach brauchen Vielpublisher entweder einen kostenpflichtigen Plan oder eine Ausnahmegenehmigung. Nicht verwunderlich, wenn man sich Sonatypes Kosten mit Maven Central anschaut. Kommentare aus der Reddit-Community gibt es natürlich auch.
📏 Eine neue HTTP-Methode
Die Diskussion um die richtige HTTP-Methode kennen wir alle: GET oder POST, cachebar oder nicht, Parameter in der URL oder im Body. Mit RFC 10008: The HTTP QUERY Method bekommt dieser Dauerbrenner jetzt eine weitere Ebene. QUERY ist wie GET sicher, idempotent und cachebar, transportiert den Request aber wie bei POST im Body statt in der URI.
📰 Update ECMAScript 2026
ECMAScript 2026 ist veröffentlicht und bringt trotz unspektakulärer äußerer Erscheinung ein paar praktische Neuerungen mit: Array.fromAsync für asynchrone Iteratoren, Math.sumPrecise für präzisere Summenbildung und getOrInsert() für Upserts bei Map/WeakMap ohne vorherige Existenzprüfung.
🛠️ Umbauarbeiten bei TypeScript beendet
Microsoft hat TypeScript 7.0 angekündigt. Die Besonderheit ist, dass es jetzt in Go geschrieben ist (Artikel bei heise).
📓 Markdown-Editor mit Fokus
Gefühlt haben alle Rollen in der IT mit Markdown zu tun. Dabei hat jede Rolle ihre eigenen Bedürfnisse an einen Markdown-Editor. Unter Tech-Writern scheint MarkText beliebt zu sein. Es ist kostenlos und quelloffen, bietet eine Echtzeit-Vorschau direkt beim Tippen und Extras wie Tabellen, Diagramme und mathematische Formeln.
📆 Tech-Events haben ein neues Zuhause
Mit treff.tech wurde für Community-Veranstaltungen aus dem Technologiebereich eine neue Plattform ins Leben gerufen. Bekannte Veranstaltungen wie Entwickelbar sind da auch vertreten. Das Ganze basiert auf der Software Mobilizon.
🖥️ Wayland kein Experiment mehr bei Linux Mint
Wayland gilt in der nächsten Cinnamon-Version von Linux Mint nicht mehr als "experimentell". X11 und Wayland werden künftig gleichwertig unterstützt, profitieren sollen vor allem Fensterverwaltung, Multi-Monitor-Setups und Hardware-Beschleunigung.
📊 Umfragen bei Signal
Signal hat Umfragen für Gruppenchats eingeführt: bis zu zehn Optionen, wahlweise Einzel- oder Mehrfachauswahl, natürlich Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Nur beim Datenschutz gibt’s eine Einschränkung: Die Antworten sind für die Gruppe sichtbar, nicht anonym.
📱 Warum Deine App eigentlich eine Webseite sein könnte
Dan Q zerlegt die "Travelbound"-App per Reverse Engineering und baut sie kurzerhand als schlanke Webseite nach, denn eigentlich zeigt die App nur Text, Bilder und PDFs. Seine These: Firmen setzen auf Apps oft eher wegen Datenkontrolle und Werbung als aus echter Notwendigkeit.
🌳 Unterschätzter Git-Befehl
Der experimentelle Befehl git history bringt mit fixup, reword und split gleich drei Subcommands mit, die Commits nachträglich sauber anpassen. Praktisch wird das zum Beispiel, wenn Du parallel an zwei Branches arbeitest und in einem älteren Commit einen Fehler findest: Fix stagen und git history fixup <commit> aufrufen. Der Befehl baut die Änderung in den Commit ein und schreibt automatisch alle davon abstammenden lokalen Branches neu, nicht nur den aktuellen, ganz ohne manuelles Rebase auf jedem Branch - und der Tree landet nie in einem halbkaputten Zwischenzustand. Wer mit Tools wie jj liebäugelt, aber nicht gleich den ganzen Workflow umstellen will, bekommt hier viele Vorteile direkt aus der Standard-Git-Installation.
🤖 Aiaiaiaiai
😡 Aufreger der Woche
Daniels Aufreger der Woche: Sicherheitsforscher haben mit einer versteckten Prompt Injection in einem öffentlichen GitHub Issue GitHub Agentic Workflows dazu gebracht, Inhalte aus privaten Repos offenzulegen. Schon das Wort "additionally" vor der eigentlichen Anfrage reichte, um die Guardrails auszutricksen. Eine echte Lösung gibt es laut GitHub nicht, weil Prompt Injection kein klassischer Bug sei, sondern eine grundlegende Eigenschaft von LLMs, die Daten und Anweisungen nicht sauber trennen können.
🦀 Bun schreibt sich in Rust um
Follow-Up zu unserer Folge zum Bun-Rewrite: Nachdem Anthropic Bun übernommen hat, wurde der Rewrite von Zig zu Rust komplett von Claude erledigt - 64 parallele KI-Instanzen, elf Tage, rund 165.000 Dollar an API-Kosten. Aus der Zig-Community kommt dazu ein überraschend entspannter Kommentar: Lead-Developer Andrew Kelley zeigt sich in seinen Gedanken zum Rewrite regelrecht erleichtert. Schon bei der Anthropic-Übernahme habe die Zig Software Foundation aufgeatmet. Seine Kritik gilt dabei weniger der Sprachwahl als Buns Management- und Unternehmenskultur. Eine Zusammenfassung der Debatte geht noch weiter und wirft Anthropic vor, den Rewrite als Beweisstück für die eigene Erzählung vom "Ende der Softwareentwicklung" zu instrumentalisieren.
🤝 Umgang mit AI im Open-Source-Umfeld
Bei Codeberg wird gerade über eine Erweiterung der Nutzungsbedingungen diskutiert, die Projekte verbieten soll, die größtenteils aus KI-generiertem Code bestehen. Grund sind ungeklärte Urheberrechtsfragen. Der Vorschlag ist noch offen und wird kontrovers diskutiert, unter anderem weil unklar ist, wie "größtenteils" genau definiert werden soll und ob der Fokus auf Urheberrecht statt Ethik der richtige ist; final entscheiden sollen die Codeberg-Mitglieder per Abstimmung. Auch bei Mastodon gab es eine länger laufende Diskussion darüber, ob und wie man KI-Beiträge überhaupt zulassen sollte. Herausgekommen ist eine offizielle AI-Policy: KI-generierter Code ist grundsätzlich verboten, außer ein menschlicher Contributor versteht jede Zeile vollständig, legt die KI-Nutzung offen und übernimmt die volle Verantwortung dafür. Autonome Agenten und breite, ungerichtete Refactorings sind explizit ausgeschlossen, wiederholte Verstöße führen zum Repo-Bann. Mehr Hintergrund gibt’s im zugehörigen Blogpost, der sich auch an den Best Practices von CloudNativePG und Ghostty orientiert.
🎯 Konsum
🎲 Kooperativ gegen den Wahnsinn
Cthulhu: Death May Die (Staffel 1) ist ein kooperatives Brettspiel für 1 bis 5 Spieler im Cthulhu-Mythos. Sechs Geschichten, zehn Ermittler und zwei Große Alte sorgen für reichlich Kampagnen-Nachschub, bei denen man gemeinsam versucht, die Monster zu besiegen, bevor einen der Wahnsinn holt.
🚂 Voll auf Schiene
Im Zugfunk-Podcast berichten Lokführer aus erster Hand von ihrem Alltag auf der Schiene. Ein Blick auf die Eisenbahn, den man sonst selten bekommt.
🕵️ Ein besonderes Nerd-Geschenk
The Enigma touch ist ein moderner, rein elektronischer Nachbau der legendären Enigma-Chiffriermaschine, kompatibel zu allen militärischen Enigma-Varianten und komplett ohne mechanische Teile. Angeschlossen wird sie einfach per USB als Tastatur, sodass sich Nachrichten direkt in Mail oder Chat verschlüsseln lassen.
🗒️ Neuer Lieblings-Diff-Viewer
In Difftastic - my new favourite diff viewer erklärt Pawel Grzybek, warum Difftastic sein neuer Favorit ist: Statt die Ausgabe mit Whitespace-Rauschen zuzumüllen, zeigt es fokussiert die eigentlichen Code-Änderungen, inklusive sauberer Integration in git diff und LazyGit.
💩 AI-Replacer, der selbst AI benutzt
Wenn Dir zu viel AI im Text vorkommt, kannst Du es mit Enshittifier ersetzen lassen: Browser-Extension und Mac-App tauschen per Font-Ligatur jedes "AI" gegen ein 💩-Emoji, eine kleine Retourkutsche für die Inflation des Begriffs. Aber Achtung! Für dessen Entwicklung wurde auch Bob benutzt.
💬 Feedback & Support
Schreib uns eine E-Mail, schau auf Mastodon vorbei oder komm in den Discord.
Bis zur nächsten Ausgabe,
Sandra & Daniel 👋
Newsletter abonnieren
Jede Woche veröffentlichen wir eine neue Ausgabe von "Ramsch aus dem Modem", unserem Newsletter rund um aktuelle Themen aus der IT. Alte Ausgaben findet ihr in unserem Archiv.